Ratgeber
Das Standarddepot: die einfache Variante des Altersvorsorgedepots
Nicht jeder will ETFs vergleichen und sich alle paar Jahre um sein Depot kümmern. Genau dafür hat der Gesetzgeber das Standarddepot vorgesehen: zwei fertig ausgewählte Fonds, eine einzige Entscheidung, eine gesetzliche Kostenobergrenze – und jeder Anbieter muss es anbieten. Die Förderung ist dieselbe wie im freien Depot, nur ohne den Aufwand.
Zwei Fonds – und du entscheidest die Aufteilung
Der Anbieter legt für das Standarddepot genau zwei Fonds fest: einen schwankungsarmen und einen renditeorientierten. Gemessen wird das am Risikoindikator, einer Skala von 1 bis 7, die du in jedem Basisinformationsblatt findest. Der ruhige Fonds liegt in Klasse 1 oder 2, der chancenreiche in Klasse 3, 4 oder 5. Breit gestreute Welt-Aktien-ETFs liegen üblicherweise bei 4.
Deine Aufgabe ist eine einzige: Wie viel von deinem Geld soll in welchen der beiden Fonds? Das darfst du selbst bestimmen – das Gesetz räumt dir dieses Recht ausdrücklich ein. Entscheidest du nicht, nimmt der Anbieter die Aufteilung, die im Vertrag dafür vorgesehen ist. Das ist die Voreinstellung für alle, die sich nicht kümmern wollen.
Die Umschichtung vor der Rente – und wie du sie änderst
Je näher die Rente kommt, desto weniger Schwankung soll im Depot stecken. Das Gesetz gibt dem Anbieter dafür zwei Obergrenzen vor, bezogen auf den chancenreicheren Fonds:
- Fünf Jahre vor der Auszahlungsphase: höchstens 50 % deines Kapitals
- Zwei Jahre vorher und zu Beginn der Auszahlungsphase: höchstens 30 %
Wichtig sind zwei Dinge, die kaum jemand erwähnt. Erstens: Das sind Obergrenzen, keine Pflichtwerte – und der Anbieter muss dir ankündigen, bevor er mit dem Umschichten beginnt. Zweitens, und das ist der entscheidende Punkt: Du kannst die Vereinbarung anderer Prozentsätze verlangen. Wer einen langen Atem hat und bewusst mehr Aktienanteil behalten will, muss den Automatismus also nicht hinnehmen – weder vor der Rente noch zu ihrem Beginn. Das Standarddepot ist eine Voreinstellung, kein Käfig.
Kosten: der Deckel gilt nur hier
Das Standarddepot ist das einzige Altersvorsorgedepot mit gesetzlicher Kostengrenze: Die Effektivkosten dürfen höchstens 1,0 % pro Jahr betragen. Effektivkosten heißt: alles zusammen – Depot, Verwaltung, Fondskosten, Abschlusskosten. Im frei zusammengestellten Depot gibt es diese Grenze nicht.
In der Praxis spielt der Deckel bisher kaum eine Rolle, weil die Anbieter weit darunter bleiben. Die meisten bieten das Depot selbst kostenlos an; was bleibt, sind die Produktgebühren der beiden Fonds, und die liegen bei guten Angeboten eher in der Größenordnung von 0,2 % im Jahr. Einzelne Anbieter erstatten sogar diese Kosten – das sind dann aber Aktionsangebote, die sich wieder ändern können. Der Deckel von 1 % ist eine Obergrenze gegen Ausreißer, kein Preis, an dem du dich orientieren solltest. Was ein Prozent über Jahrzehnte anrichtet, zeigt dir der Kostenregler im Altersvorsorgedepot-Rechner.
Was genauso ist wie im freien Depot
Beim Standarddepot sparst du dir die Auswahl, nicht die Förderung. Identisch sind:
- Zulagen und Steuervorteile – bis zu 540 € Grundzulage, 300 € je Kind, 200 € Berufseinsteigerbonus, Günstigerprüfung
- Einzahlungsgrenzen – gefördert werden bis 1.800 € im Jahr, einzahlen darfst du bis 6.840 €
- Auszahlphase – frühestens ab 65, wahlweise lebenslange Rente oder Auszahlungsplan
- Anbieterwechsel – jederzeit möglich, in den ersten fünf Jahren gegen eine gedeckelte Gebühr, danach kostenfrei
Alle Regeln dazu stehen im großen AVD-Überblick.
Für wen das Standarddepot passt
Für dich, wenn du eine geförderte Altersvorsorge willst, ohne dich mit Fondsauswahl zu beschäftigen – und wenn dir eine gesetzlich gedeckelte Kostenobergrenze wichtiger ist als die letzte Renditeoptimierung. Weniger passt es, wenn du deine Aufteilung über Jahrzehnte genau steuern willst und dafür mehr als zwei Bausteine brauchst – dann ist das freie Altersvorsorgedepot der richtige Ort, mit der Verantwortung, die dazugehört.
Dein Weg zum Altersvorsorge-Depot
In der Honorarberatung zum Altersvorsorge-Depot klären wir gemeinsam, ob es sich für dich lohnt, wie viel du sinnvoll einzahlst, welcher Anbieter passt und was aus deinem Riester-Vertrag wird – unabhängig und ohne Provisionen.